
Mehr Sicherheit, weniger Stress, weniger Angst – was hat das mit meinen Schmerzen zu tun?
Schmerz ist immer real. Wie stark wir ihn erleben, hängt jedoch nicht nur vom Zustand unseres Gewebes ab. Auch unser Nervensystem, unsere Gefühle, unsere Belastungen und unsere Erholung beeinflussen die Schmerzverarbeitung.
Angst: Wenn der Körper auf Schutz schaltet
Angst muss nichts mit einer Bewegung oder dem Schmerz selbst zu tun haben. Auch Angst vor Ablehnung, Konflikten, Abgrenzung, Verlust oder davor, nicht zu genügen, kann den Körper in Alarmbereitschaft versetzen. Er stellt Energie für Schutz und Handlung bereit: Muskeln spannen sich an, Atmung und Herzschlag verändern sich, die Wachsamkeit steigt. Häufige oder anhaltende Aktivierung kann Schmerzen verstärken.
Stress: Wenn die Belastung nicht aufhört
Auch ohne bewusste Angst können Zeitdruck, Verantwortung, Überforderung, ungelöste Konflikte oder zu wenig Pausen das Stresssystem beanspruchen. Bleibt Erholung aus, können Schlaf, Muskelanspannung und körpereigene Mechanismen der Schmerzhemmung beeinträchtigt werden. Das Schmerzsystem kann empfindlicher reagieren.
Sicherheit: Mehr als nur Entspannung
Sicherheit bedeutet zum Beispiel: Ich darf Grenzen setzen. Ich kann Gefühle wahrnehmen und bewältigen. Ich bin nicht allein. Ich habe Handlungsmöglichkeiten. Solche Erfahrungen können die Alarmbereitschaft verringern und Erholung fördern. Ein reguliertes Nervensystem muss nicht immer ruhig sein – es kann zwischen Aktivität und Erholung wechseln.
Wie kann sich dadurch Schmerz verändern?
- Mehr erlebte Sicherheit
- Schmerzen können weniger intensiv wahrgenommen werden; das Schmerzsystem kann weniger empfindlich reagieren.
- Weniger Stress
- Schmerzschübe können seltener oder weniger stark werden; Erholung und Schlaf können die Schmerzregulation unterstützen.
- Weniger emotionale Angst
- Weniger anhaltende Muskelanspannung und Alarmreaktionen können schmerzverstärkende Einflüsse verringern.
Schmerzen können dadurch schwächer werden, seltener auftreten oder kürzer anhalten – auch wenn nicht direkt am Schmerz gearbeitet wird. Wie stark sich der Schmerz verändert, ist individuell unterschiedlich.
Auch bei Fibromyalgie können diese Zusammenhänge eine Rolle spielen. Angst und Stress sind aber nicht automatisch die Ursache. Schmerzen können verschiedene Ursachen haben; medizinische Abklärung und Behandlung bleiben wichtig.
Wie viel Schmerz bleibt, wenn mein Nervensystem mehr Sicherheit erfährt und Stress und Angst weniger werden?
Diese Frage ist eine Einladung zum gemeinsamen Erkunden – kein Versprechen, dass Schmerzen verschwinden müssen.

Praxis S-O-S · Stressregulation & innere Stärke – Nadja Binten
